Menu Content/Inhalt
Startseite arrow BG-Standpunkte arrow Schul-Beschluss: Stehen uns die schlimmsten Albträume noch bevor?
Schul-Beschluss: Stehen uns die schlimmsten Albträume noch bevor? PDF Drucken
Geschrieben von Jochen Köster   
Jochen KoesterWas ist da in der letzten Ratssitzung am 30.06.2009 eigentlich passiert? Es schien wie ein böser Albtraum, aber - nein - der Rat hat tatsächlich mit 15:13 Stimmen etwas beschlossen, bei dem es aus BG-Sicht nur Verlierer gibt. Zu unserem Bedauern sind die größten Verlierer zudem diejenigen, die sich am wenigsten wehren können: Die Kinder aus beiden Schulen.

Die gesamte SPD sowie Teile der CDU (hier insbesondere die Warsteiner CDU, angeführt von Dietmar Lange) beschlossen letztlich das Aus der Gutenbergschule sowie unüberschaubare Folgekosten in Millionenhöhe. Und als Konsequenz möglicherweise auch noch Religionsstreitigkeiten.

Ist dies der Anfang vom Ende aller Integrationsbemühungen in Warstein? Dann Gute Nacht! Dann stehen uns die schlimmsten Albträume erst noch bevor.

Dass nicht nur die BG entsetzt ist über die Abstimmung, zeigt auch stellvertretend folgender Leserbrief (aus der Lokalpresse):

Nach der umstrittenen Ratsentscheidung von Dienstag melden sich Hans-Jürgen Hense, ehemaliger Leiter der Gutenbergschule, und Ulrike Brandner, engagierte Lehrerin der Schule, zu Wort. Sie schreiben unter dem Titel „Johann-Gutenberg-Schule im rechten Blick (Gedanken zum Ratsbeschluss vom 30.06.2009)".

Auf die katastrophalen finanziellen Auswirkungen der am Dienstag gefallenen Ratsentscheidung für unsere Stadt Warstein möchten wir hier nicht weiter eingehen - das müssen die betreffenden Ratsmitglieder vor sich und ihren später zahlenden Kindern verantworten.

Vielleicht stellen wir einmal die Frage, warum in den letzten Jahren immer mehr Warsteiner Eltern ihre Kinder an der Liobaschule und weniger an der Johann-Gutenberg-Schüle angemeldet haben.

Obwohl an beiden Schulen hervorragende pädagogische Arbeit geleistet wird, hat die Gutenbergschule seit langer Zeit unter schlimmen Vorurteilen zu leiden:

Ein oft angeführtes und sich zäh haltendes Gerücht ist, dass die Kinder der Gutenbergschule nicht ausreichend auf die weiterführenden Schulen vorbereitet würden, besonders nicht auf das Gymnasium. Aussagen der weiterführenden Schulen und auch des Schulamtes Soest belegen seit Jahren, dass unsere Schüler zum selbständigen Lernen und großer Leistungsbereitschaft erzogen werden. Konkrete Beispiele: Schülerin mit der besten Abiturnote des Jahres 2008, eine ehemalige Gutenbergschülerin. Ein Jahr zuvor: Von den vier besten Abiturienten des Warsteiner Gymnasium Warstein drei aus der Gutenbergschule, beste Schülerin der Realschule Meschede ebenfalls von der Gutenbergschule.

Unbestritten ist in Warstein hingegen die Tatsache, dass wir uns von Anfang an auch der schwächeren Kinder annehmen und sie fördern.

Ein zweites Vorurteil der Gutenbergschule gegenüber ist, dass der Ausländeranteil dort so hoch ist,  dass die deutschen Kinder im gemeinsamen Unterricht mit diesen zu kurz kommen oder gar Schaden nehmen könnten. Diese, von einigen wenigen Warsteiner Mitbürgern bei Kaffeeklatsch und Stammtisch verbreitete Parole zeigt, wie wenig sie den Begriff Toleranz und Integration verstanden haben. Ist es gelebte christliche Toleranz, wenn eine Bekenntnisschule sich seit Jahrzehnten weigert, moslemische Kinder aufzunehmen, obwohl sie in unmittelbarer Nähe wohnen und auf den Schulhof schauen können?

Dem setzen wir und unsere Eltern bewusst unser Verständnis von christlicher Toleranz gegenüber: Aufgabe von Schule ist es, zum verständnisvollen Miteinander zu erziehen. Dieses gelingt nur, wenn deutsche und ausländische Kinder - allerdings in einem angemessenen Verhältnis, wie es in der Johann-Gutenberg-Schule der Fall ist (Ausländeranteil zwischen 10 und 15 Prozent) - gemeinsam unterrichtet werden. Eine solche integrative Erziehung verhindert das Aufkommen rechtspopulistischen Denkens und hilft Rechtsextremismus zu vermeiden.

Diese zwei beschriebenen Vorurteile und die zurückgehende Geburtenrate sind die eigentlichen Auslöser für die vorausgegangenen Überlegungen zum Zusammenschluss beider Schulen. Wir fordern alle Warsteiner Eltern auf, sich nicht von Gerüchten und Parolen leiten zu lassen, sondern - wie oben aufgeführt - von Fakten!

Sprechen Sie mit Eltern, deren Kinder unsere Schule gerne und erfolgreich besucht haben.
Nach wie vor halten wir den sofortigen Zusammenschluss der Schulen für die sinnvollste Lösung!

Hans-Jürgen Hense
(Langjähriger Schulleiter der Gutenbergschule)

Ulrike Brandner
(Lehrerin der Gutenbergschule)
 
< zurück   weiter >