| Trinkwasserschutz Warstein: An Begrifflichkeiten scheiden sich die Geister |
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| Geschrieben von Jochen Köster | ||||||
Große Freude bei der BG Warstein, dass sich so viele Bürger für das Thema "Wie gefährdet ist unser Trinkwasser" am Donnerstagabend in Suttrop trafen. Mehr als 60 Interessierte verfolgten die Vorträge von Stefan Enste (Trinkwasserinitiative) und Alfons Striedelmeyer (Geschäftsführer Lörmecke-Wasserwerke). Die Organisatoren Elke Ibing (BG-Ratsfrau) und Robert Bigge (BG-Kreistagskandidat) konnten neben Bürgermeister Manfred Gödde weitere prominente Gäste begrüßen, darunter Elisabeth Wiese (Ortsvorsteherin Warstein) und Theo Kremer (Fraktionsvorsitzender der Kreis BG). Überraschend fanden sich auch die beiden Steinbruchexperten Ewald Risse und Franz-Bernd Bernd Köster (zugleich CDU-Stadtverbandsvorsitzender) ein. Warum der Suttroper Ortsvorsteher Erwin Koch (SPD) verhindert war, fragten sich nicht wenige.![]()
![]() Den Einstieg machte Stefan Enste. In einem kurzweiligen aber sehr informativen Vortrag stellte er anschaulich dar, dass Warstein einzigartig in Deutschland ist. Denn nirgend anders wird in einem Trinkwasserschutzgebiet Stein abgebaut. Die daraus resultierenden Gefahren sind unabsehbar. Wie konkret die Gefahr ist, belegte Enste mit eindrucksvollen Bildern. Einigen Zuhörern stand der Schock, anderen die Wut in Gesicht geschrieben, als Fotos davpn gezeigt wurden, was bisweilen seitens der Steinindustrie als Trockenabbau bezeichnet wird: Mitten durch große (Grund)-Wasserseen fahren riesige LKW, um vom Bagger beladen zu werden. Unstrittig, dass in diesen Seen auch das eigentlich absolut geschützte Grundwasser ansteht - aber eben nicht "dauerhaft". "Verboten sind Abgrabungen durch die das Grundwasser dauernd freigelegt oder angeschnitten wird", so steht es in der Wasserschutzverordnung für den Warsteiner Massenkalk. Das Wort "dauernd" ist nicht definiert und das bereitet dem Lörmecke-Wasserwerk Sorgen. "Das ist einmalig für die Republik", sagte Alfons Striedelmeyer, Leiter des Wasserwerkes Lörmecke. Überall sei in Verordnungen anderer Städte festgehalten, dass das Freilegen grundsätzätzlich verboten. "Wir möchten eine Klärung des Begriffes!"
Deutlich werde dies beim See, der im Steinbruch Kupferkuhle hinter dem Piusberg aufgetreten sei. Ständig gäbe es Diskussionen darüber, ob es Regen- und Grundwasser sei und ob der Zustand "dauernd" sei. Für Alfred Striedelmeyer und das Lörmecke-Wasserwerk ist jedoch klar: "Die Verordnung ist dafür da, das Trinkwasser zu schützen", also sei eine Freilegung nur "kurzfristig" zu dulden, so Striedelmeyer. Wie der Kreis die derzeitige Situation interpretiert, konnte BG-Ratsherr Karl-Heinz Berghoff aus erster Hand vorlesen: "Nach der Sprachregelung der Genehmigungen darf nicht im Grundwasser abgebaut werden. Solange sich die arbeiten also im trockenen Bereich bewegen, besteht von hier aus keine Möglichkeit einzuschreiten. Erst in dem Moment, in dem das darunter stehende Wasser (höchstwahrscheinlich eine Mischung aus Regen- und Grundwasser), durch Fahrbewegungen im Wasser oder was auch immer beeinträchtigt wird, ist es möglich dies zu untersagen. Nach Beobachtungen meines Kontrolldienstes von heute Mittag wird nicht im Wasser abgebaut bzw. wird die Wasserfläche nicht beeinträchtigt." So Norbert Hurtig, Abteilungsleiter Wasserwirtschaft beim Kreis Soest, per Mail auf entsprechende Anfrage. Im Klartext bedeutet dies nichts anderes als: Egal wieviel Grundwasser auch zu Tage tritt, egal wie groß der See auch sein mag, solange nebenan noch ein Qudaratmeter trocken ist, darf da abgebaut werden. Die Wasserflächen müssen dann, wenn sie "dauernd" zu sehen sind, gegebenenfalls mit meiner Schutzschicht zugedeckt, kurz zugeschüttet werden. Obwohl die Zeit schon weit fortgeschritten war, schloss sich eine rege Diskussions- und Fragerunde an. Erfreulich, dass bei allen Interessierten die politisiche Couleur keine Rolle spielte, sondern der Schutz des Trinkwassers im Vordergrund stand. Überraschend deutliche Rückendeckung beim Schutz des Trinkwassers kommt jetzt von NRW-Umweltminister Eckhard Uhlenberg. Dieser äusserte sich laut Warsteiner Anzeiger vom 08. Mai 2009: "Der Schutz der öffentlichen Trinkwasserversorgung hat ohne Zweifel Vorrang vor Kalksteingewinnung! Es darf kein Zweifel daran bestehen, dass der Schutz der öffentlichen Trinkwasserversorgung als ein sowohl für die Gesundheit der Bevölkerung als auch für eine gesicherte wirtschaftliche Entwicklung unabdingbare Voraussetzung Vorrang hat vor der Nutzung durch die Kalksteingewinnung." Weiter heißt es in dem Ministerschreiben zur Sicherung der Wasserversorgung im heutigen Bestand: „Qualität und Bestand der Wasserversorgung scheint mir nach derzeitiger Erkenntnis mit einem künftigen Kalksteinabbau im Grundwasser nicht vereinbar zu sein." Was sich so eindeutig liest, lässt allerdings auch wieder Raum für Interpretationen: "Kalksteinabbau im Grundwasser". Was passiert, wenn das Grundwasser - wie bereits angedeutet - abgesenkt wird? An genau diesen Formulierungen wie "im Grundwasser" und an Begriffen wie "dauernd", "dauerhaft" scheiden sich "Bürger-" und "Verwaltungsgeister". Anklicken = größere Bilder und Galerie. |
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