| Wasser kontra Kalk: Risiko für Trinkwasser nicht einschätzbar |
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| Geschrieben von Redaktion: Jochen Köster | |||||||
Ernsthaft besorgt waren die meisten über 150 Besucher, die der Einladung der BG Warstein zum Thema "Rund ums Warsteiner Wasser" in die Sauerlandhalle gefolgt waren. Aus erster Hand erfuhren die interessierten Zuhöhrer, welche Gefahren "ihrem" Trinkwasser drohen können, wenn die Steinindustrie den Steinabbau unterhalb des Grundwasserspiegels beantragen sollte.Karl-Heinz Berghoff, BG-Ratsmitglied und bis vor kurzem noch Fraktionsvorsitzender, hatte hochkarätige Experten für den Podiumsabend gewonnen. Diese sprachen Klartext, wie die folgenden Zitate zeigen: "Das Risiko des Steinabbaus ist für die Trinkwassergewinnung in Warstein nicht einschätzbar". Frank Schmidt, Diplom-Geologe und Gutachter. "Die ganze Region ist aus wasserwirtschaftlicher Sicht hoch sensibel". Dr. Eckerhard Büscher, Leiter der Warsteiner Stadtwerke. "Ich werde es nicht zulassen, dass unser preussisches Wasserecht trocken fällt - in Ihrem Interesse". Alfred Striedelmeyer, Geschäftsführer Lörmecke-Wasserwerk.
Dr. Eckerhard Büscher (links), Alfred Striedelmeyer (mitte), Frank Schmidt (rechts).
Fotos (2): Bernd Liß Von Susanne Löbbert Warstein. Es gibt keinen akuten Handlungsbedarf, dennoch sind die Warsteiner Bürger sensibilisiert. Wenn es um den Schutz ihres Trinkwassers geht, stellen sie kritische Fragen. „Was wir heute tun können, ist, hellwach zu sein", erklärte Dr. Eckehard Büschergestern beim Informations- und Diskussionsabend vor rund 150 Besuchern in der kleinen Sauerlandhalle. Dem Leiter der Warsteiner Stadtwerke oblag auch die Einführung in das Thema „Rund um das Warsteiner Wasser", das die Bürgergemeinschaft mit Experten auf dem Podium beleuchtete. So erläuterte Büscher die Bedeutung der Hillenberg-Quelle, die gutes und preiswertes Trinkwasser liefert. „Es hat eine hohe Reinheit, weil es aus der Tiefe kommt", bemerkte Büscher, der überzeugt ist: „Die ganze Region ist aus wasserwirtschaftlicher Sicht hoch sensibel". Den Steinabbau im genehmigten Bereich sah er daher „noch nicht so bedrohlich, dass man jetzt auf die Barrikaden gehen müsste". Das kann sich ganz schnell ändern, wenn sich die hydrogeologischen Verhältnisse ändern. Welche Konsequenzen die Rohstoffgewinnung, also die tiefere Abgrabung im Warsteiner Kalkmassiv, für Wasserqualität und -menge haben kann, hat Frank Schmidt, Diplom-Geologe aus Bielefeld untersucht. Allerdings: Die Messungen sind in dem karstigen Gestein mit vielen Poren und Klüften äußerst schwierig und ungenau. „Tief gelegene Grundwasser führende Hohlräume können nicht kartiert werden", erklärte Schmidt. Er erläuterte, was passiert, wenn die Abbauunternehmen in diese, noch unbekannten Tiefen vorstoßen: Es kann schnell zu einem Engpass in der Wasserversorgung kommen, Schadstoffe breiten sich ohne Zeitverzögerung bis zu den Quellen aus. Sein Fazit: „Das Risiko des Steinabbaus im Karst ist für die Trinkwassergewinnung von Warstein nicht einschätzbar". Dass sich das auch auf das Lörmecke-Wasserwerk auswirken wird, machte de ssen Geschäftsführer, Alfred Striedelmeyer, deutlich: „Die ganze Fließrichtung, ganz Netzwerke werden verändert". Das Lörmecke-Wasser sei nach altem preußischen Recht zu 100 Prozent Eigentum der Bürger des Kreises Soest, „und ich werde nicht zulassen, dass dieses Recht trocken fällt - in Ihrem Interesse", so Striedelmeyer, der den applaudierenden Zuhörern wohl aus dem Herzen sprach. Auch wenn der Steinabbau von höchster Stelle genehmigt werde, riet er der Stadt: „Sichert die Konsequenzen wirtschaftlich ab! Das Unternehmen muss das Risiko tragen", und bislang sei die Steinindustrie dazu sicher nicht in der Lage. Inder anschließenden Diskussion ergänzten einige Besucher kritische Aspekte wie: Das Wasser nützt 100 000 Menschen, der Steinabbau sei dagegen eine private Angelegenheit der Firmen, oder: Man darf nicht mit Arbeitsplätzen argumentieren, schließlich sei das Wasser „unser höchstes Gut". Auch die Frage danach, ob die Genehmigungsbehörden überhaupt die Bedenken der Menschen in Warsteiner kennen, wurde gestellt. Am Schluss versuchte Karl-Heinz Berghoff, BG-Ratsherr, klarzumachen, dass die Bürger jetzt noch nicht handeln können. „Wenn wir alle auf die Straße gehen, haben wir schon eine Macht. Aber so weit sind wir noch nicht". Für den Fall, dass die Steinindustrie solche Anträge stelle, kündigte Lörmecke-Chef Striedelmeyer an: „Dann werden wir juristisch aufrüsten und unsere Interessen durchfechten".
Quelle: Westfalenpost / Warsteiner Rundschau vom 12.10.2007 Von R. Großelohmann "Auf altem preußischem Recht würden wir auch gern sitzen" BG-Veranstaltung zur Trinkwassersicherheit in kleiner Sauerlandhalle gut besucht Dr. Büscher: "Wach sein und wach bleiben" - Striedelmeyer: Eigentumswert für Bürger WARSTEIN. Karl-Heinz Berghoff zeichnete zwar vorsorglich das Bild einer Bevölkerung, die für den Erhalt ihres Trinkwassers auf die Straße geht, doch so weit war es gestern Abend noch nicht: In einer gut besuchten Veranstaltung in der kleinen Sauerlandhalle informierten die Leiter der zwei heimischen Wasserwerke sowie ein von ihnen beauftragter Hydr'ogeo-loge über die konkurrierende Situation von Steinabbau und Trinkwassersicherheit. Dr. Eckhard Büscher, Leiter der Stadtwerke, brachte auf den Punkt, worum es geht: „Was wir heute tun können, ist wach sein und wach bleiben. Mit einer solchen Veranstaltung sind wir auf dem richtigen Weg. Es ist noch nicht notwendig, auf die Barrikaden zu gehen. Wir müssen Sensibilität schaffen und uns um Fakten bemühen." Genau zu diesem Zweck war der Stadtwerkeleiter gemeinsam mit dem Leiter der kreiseigenen Lörmecke-Was-serwerke, Dr. Alfred Striedelmeyer, sowie Diplom-Geologe Frank Schmidt der Einladung der Bürgergemeinschaft gefolgt. Der Hydrogeologe erläuterte die Besonderheiten. Es handele sich bei den großen Mengen Trinkwasser, die beispielsweise die Hillenberg-quelle mit einer Schüttung von 800 Kubikmetern pro Stunde fördere, um Tiefenwasser. Dies stamme möglicherweise durch eine in großer Tiefe bestehende Verbindung aus dem Briloner Massenkalk, da nämlich die Wasserbilanz zwischen beiden Gebieten dies vermuten lasse. Indes gebe es keinen wissenschaftlichen Beleg. Dessen ungeachtet sei die Wasserförderung im karstigen Untergrund mit großen Risiken behaftet. Die Fließgeschwindigkeiten seien enorm hoch und außerdem gebe es kaum eine Filtrierung. „Wir haben ein qualitatives Risikopotenzial." Der von den Steinabbauunternehmen angestrebte Tiefenabbau berge noch größere Gefahren, da es schwierig sei, die Lage von Klüften festzustellen. Bekanntlich könnten bei zu tiefem Abbau wasserführende Schichten getroffen werden. Dann laufe, wie bei den Fuchshöhlen, der Steinbruch voll Wasser. Dies sei auch den Steinbruchbetrieben nicht recht. Doch bislang gebe es keine technische Möglichkeit, absolut sicherzustellen, wo Bereiche festen Gesteins enden. Lörmecke-Chef Alfred Striedelmeyer verwies für seine wertvolle Quelle in Kallen-hardt auf ein altes preußisches Recht, das der Lörm-ecke keiner nehmen könne. „Dieses Recht hat einen Eigentumswert für die Bürger." Angesichts günstiger Wasserpreise bedeute der Vorteil der eigenen Wasserversorgung einen wirtschaftlichen Vorteil von vier bis fünf Millionen Euro pro Jahr für die Bevölkerung dieser Region. Wenn die Steinindustrie in der Lage sei, dies komplett wirtschaftlich abzusichern, dann könne er sich durchaus einen Abbau tiefer bis zur Grundwassergrenze vorstellen. „Von mir aus können die Steinabbaubetriebe bis an den Erdmittelpunkt gehen, aber sie tragen auch die Risiken." „Auf so einem alten preußischen Recht würden wir auch gern sitzen", bedauerte SPD-Ratsherr Jürgen Wied, dass die Hillenbergquelle nur über ein schwächeres Wasserrecht verfügt. Dies gelte noch zehn Jahre, werde aber gewiss verlängert, konkretisierte Dr. Büscher. Karl Hense rief in der Fragerunde dazu auf, das Wasser zu verteidigen. „Es ist unser höchstes Gut, das müssen wir behalten." Und Karl-Heinz Berghoff erinnerte sich erbost daran, dass die Stadt 1982 Knebel-Verträge mit der Steinindustrie eingegangen sei, die kaum eine Regressmöglichkeit vorsähen. „Die Leute müsste man aus Warstein heraustreiben, die das zu verantworten haben." Quelle: Warsteiner Anzeiger vom 12.10.2007 |
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Ernsthaft besorgt waren die meisten über 150 Besucher, die der Einladung der BG Warstein zum Thema "Rund ums Warsteiner Wasser" in die Sauerlandhalle gefolgt waren. Aus erster Hand erfuhren die interessierten Zuhöhrer, welche Gefahren "ihrem" Trinkwasser drohen können, wenn die Steinindustrie den Steinabbau unterhalb des Grundwasserspiegels beantragen sollte.
